100 Jahre - Blaskapelle Rittershausen Blaskapelle Rittershausen e. V.

Chronik-Übersicht

Von der Gründung bis zum 1. Weltkrieg

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Zusammenstellung der neugegründeten Blaskapelle
Triebkraft für die Gründung und gleich erster Vorsitzender unserer Blaskapelle war Martin Reißmann. Er konnte als Musiklehrer Adam Rief aus Gelchsheim gewinnen, welcher für zwei Jahre die Unterrichtung der Musiker sowie das Dirigentenamt übernahm. Die Proben fanden im Wohnzimmer des früheren Anwesens von Martin Reißmann in der Friedenstraße 10 statt.

Geprobt wurde anfangs Dienstag und Donnerstag von 20:00 Uhr bis 24:00 Uhr sowie am Sonntag von 06:00 Uhr bis 08:00 Uhr, von 15:00 Uhr bis 18:00 Uhr sowie von 20:00 Uhr bis 24:00 Uhr, das heißt bis zu 17 Stunden pro Woche!

 

 

Kauf und Finanzierung der Instrumente
Für die Ausstattung unserer Kapelle wurden 14 neue Instrumente gekauft: 4 Es-Trompeten, 2 C-Trompeten, 2 Basstrompeten, 2 Althörner sowie jeweils 1 Flügelhorn, Klarinette, Posaune und Tuba. Gekauft wurden die meisten Instrumente beim Musikhaus Gustav Martin in Würzburg, welches dort bis 1932 in der Plattnerstraße bestand. Die restlichen Instrumente wurden bei der „Musikinstrumenten-Fabrik Max Enders, vormals C.A. Müller“ in Mainz bestellt.

Die Instrumente kosteten zwischen 50 und 80 Mark (Goldmark), die Tuba den damals sehr hohen Betrag von 220 Mark. Mit Ausnahme der Tuba wurden die Instrumente von den Musikern selbst bezahlt. Die Tuba sowie das Lehrgeld für Adam Rief für die ersten beiden Jahre in Höhe von 200 Mark stiftete Margareta Brumann.

Margareta Brumann (06.11.1871 - 17.01.1953)
Eine große Förderin unserer Blaskapelle in der Gründerzeit war Margareta Brumann. Sie lebte im Haushalt Ihres Schwagers Georg Muhler, im heutigen Anwesen Scheder. Frau Brumann stiftete insgesamt 420 Mark für die Blaskapelle, auf die heutige Kaufkraft umgerechnet sind dies ca. € 2.200. Wer weiß, ob ohne diese Großzügigkeit die Gründung unserer Kapelle überhaupt möglich gewesen wäre?

Kirchen- oder Tanzmusik?
So ganz störungsfrei ging aber nicht alles ab. Pfarrer Josef Klug, ein kleiner aber sehr energischer Herr, machte uns zur Bedingung, wir dürfen in der Kirche nur spielen, wenn wir bei anderen Anlässen keine Tanzmusik blasen. Unser Musiklehrer erklärte uns, es ist nicht möglich, ohne Tanz- und Marschmusik ein guter Bläser zu werden. Pfarrer Klug war schwer von unserer Ansicht zu überzeugen und unser Musiklehrer lachte nur dazu.

Der Pfarrer, stolz auf seinen vermeintlichen Erfolg, erzählte es seinem Amtsbruder von Bolzhausen, als er mit ihm durch das damals noch stehende Torhaus ging. „So,“ fragte dieser, „und was spielen sie jetzt?“ Es war gerade Probe und man hörte deutlich die Klänge eines Walzers. Das schlug dem Fass den Boden aus!

Durch die Vermittlungskünste von Schreinermeister Andreas Wolz konnte der Fall aber wieder aus der Welt geschafft werden. Dazu beigetragen hat sicherlich auch, dass Pfarrer Klug zu dieser Zeit aufgrund des Pfarrhausneubaus vorübergehend bei Familie Wolz wohnte. Seither spielen wir anlassbezogen sowohl Kirchen- als eben auch Tanzmusik.

Die ersten Erfolge
Die von Musiklehrer Rief angesetzten Proben wurden ohne Ausnahme pünktlich besucht. Wir lernten gründlich und konnten uns schon bei kleineren Feiern und vor allem als Kirchenmusik hören lassen. Wir studierten Choräle, Märsche, Tanzstücke und Walzer ein und konnten bald stundenlang spielen, ohne etwas zu wiederholen.

Höhepunkt war natürlich die Wallfahrt zu Fuß nach Dettelbach. Hierbei spielten wir einmal bei der einstündigen Rast in Kitzingen in einer Gastwirtschaft. Dies lockte viele Gäste an, so dass in kürzester Zeit das Gasthaus bis auf den letzten Platz besetzt war. Alle waren voll des Lobes und unser Aufbruch wurde sehr bedauert. Beim Durchzug der Wallfahrt durch eine Ortschaft konnten wir mit eigenen Ohren hören "Das klingt wie eine Regimentsmusik". Nicht zu vergessen, dass unser Musiklehrer Rief, dem die Töne wie Wasser aus der Trompete kamen, stets dabei war.

Bei den Musikproben hatten wir immer gestiftetes Bier aus allen sich bietenden Anlässen im Vorrat. Eine Ausnahme bürgerte sich bei Klarinettist Johann Mark ein: Immer wenn er aus der Reihe pfiff, musste er eine Maß Bier bezahlen.

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